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Neustart für den Kletterwald Pöhl

Auszug aus der Freien Presse, Erschienen am 21.09.2022, Ulrich Riedel

„Vor sieben Wochen das Aus, jetzt geht es wieder los, dem Laubwald sei Dank. Der Tüv hat drei neue Parcours gecheckt.

Pöhl. Ortstermin am Kletterwald Pöhl. Roland Zwickl vom Tüv Süd in München hat am Mittwochmittag an der Talsperre Pöhl drei neu geschaffene Parcours sozusagen als erster externer Tester absolviert und dabei Seile, Sicherungshaken, Podeste, Seilrollen und Verbindungsteile akribisch untersucht und seine Anmerkungen aufgelistet. "Nichts Gravierendes", resümierte der bundesweit auf Spielplätzen und Kletteranlagen für den Tüv tätige Prüfer. Seine Hinweise sendet er dann an Kletterwald-Betreiber Jörg Böhm, der sie eigenständig abarbeiten muss.

Da geht es um Hutmuttern, die kantige Gewindeenden abdecken sollen, um das Entgraten von splittrigen Holzpodesten oder das großräumigere Freischneiden von Seilbahnstrecken, damit die Nutzer nicht durch Blattwerk und Zweige hindurch rauschen müssen.

Für Jörg Böhm alles machbare Dinge. Vor allem ist er froh, dass der am 28. Juli wegen Holzbruchs von einem Moment zum nächsten geschlossene Kletterwald so rasch neu durchstarten kann. "Am Wochenende geht's wieder los", sagte der Inhaber der Betreiberfirma Böhm Kletteranlagen (BKA). Freitag, Samstag, Sonntag ab 10 Uhr steht das Kletterwald-Team bereit, Kassenschluss ist jeweils 17 Uhr. Die Saison geht bis Ende Oktober. Vor sieben Wochen sah es noch ganz anders aus.

Das Holzbruch-Problem hatte sich verschärft. Die Bäume im ohnehin geschädigten Fichtenwald an der Talsperre Pöhl waren ausgetrocknet, spröde und hatten ihre Festigkeit verloren. Da die Bäume die im Kletterwald erforderlichen Plattformen, Stahlseile, Netze und andere Elemente tragen müssen, war das Risiko nicht mehr vertretbar. Nach Prüfung aller als Tragstützen genutzten Bäume wurden zunächst drei Parcours und dann der gesamte Kletterwald gesperrt.

Doch das von der Straße Möschwitz-Jocketa, dem Talsperrenufer, der Anlegestelle für die Fahrgastschiffe und dem Panorama-Restaurant umschlossene Areal bot Alternativen. BKA-Chef Böhm und der Talsperren-Zweckverband als Grundstückseigentümer checkten Auswege. Rasch war für Jörg Böhm klar: Vor allem der zuvor ungenutzte Wald zwischen Ufer und dem Rad- und Wanderweg bot Möglichkeiten. Wo es machbar war, wurden die gesünderen Laubbäume genutzt.

Der Stausee-Parcours, bis zu 16 Meter über dem Boden und mit dem 180-Meter-"Flug" über der Talsperre spektakulärstes Angebot im Kletterwald, blieb ohnehin erhalten. Neu entstanden sind der Lärchen- und der Birken-Parcours, die insbesondere zum familiären Charakter des Pöhl-Tourismus passen sollen.

Der erweiterte Eichen-Parcours, bis zu sieben Meter über dem Boden und mit 16 Stationen auf 300 Meter Strecke, scheint indes auch nicht ohne zu sein. Tüv-Prüfer Roland Zwickl nickte nach rasanter 120-Meter-Seilbahnfahrt anerkennend. „

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